Faktengeprüft mit QuellenStand: Oktober 2026Unabhängiger Ratgeber – keine Kanzlei

Kostenlose telefonische Rechtsberatung

FaktengeprüftMit Gesetzesquellen

Kostenlose Rechtsberatung am Telefon gibt es in Deutschland vor allem für Mitglieder: Gewerkschaften, Mietervereine, Haus & Grund, der ADAC und Arbeitskammern beraten ihre Mitglieder oft telefonisch, ohne dass zusätzliche Kosten anfallen. Eine allgemeine, für jeden kostenlose Anwalts-Hotline gibt es nicht. Wer wenig Geld hat, bekommt über den Beratungshilfeschein für höchstens 15 Euro eine Anwaltsberatung – auch bei Kanzleien, die telefonisch beraten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Für Mitglieder: Gewerkschaften, Mietervereine, Eigentümervereine und Automobilclubs dürfen ihre Mitglieder rechtlich beraten (§ 7 RDG) – oft auch telefonisch.
  • Bei wenig Geld: Beratungshilfe beim Amtsgericht, Eigenanteil höchstens 15 Euro.
  • Beim Anwalt: Die erste Beratung kostet Verbraucher ohne Vereinbarung höchstens 190 Euro (§ 34 RVG) – am Telefon genauso wie in der Kanzlei.
  • 0900-Hotlines: höchstens 3 Euro pro Minute oder 30 Euro pro Anruf (§ 112 TKG).
  • In Notlagen: Kostenlose Hilfetelefone für Opfer von Straftaten und bei Gewalt beraten und vermitteln weiter.
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Wer berät kostenlos am Telefon?

AnlaufstelleWas Sie bekommen
GewerkschaftArbeits- und oft Sozialrecht, für Mitglieder ohne zusätzliche Kosten; viele Landesverbände beraten auch telefonisch.
MietervereinMietrecht für Mitglieder (Mieterinnen und Mieter); Beratung je nach Verein persönlich oder telefonisch.
Haus & GrundMiet- und Eigentumsrecht für Mitglieder (Vermieter und Eigentümer).
ADACFragen zu Auto, Verkehr und Reise für Mitglieder, je nach Regionalclub telefonisch oder als Gespräch mit einem Vertragsanwalt.
Arbeitskammer SaarlandArbeits- und Sozialrecht, telefonisch, online und persönlich; Mitglied sind die Beschäftigten im Saarland.
RechtsschutzversicherungManche Verträge enthalten eine telefonische Erstberatung durch Anwälte; ob Ihrer dazugehört, steht in Ihren Bedingungen.

Gemeinsam ist allen: Der Rat ist im Mitgliedsbeitrag oder in der Versicherungsprämie enthalten. „Kostenlos“ heißt hier also „ohne zusätzliche Kosten“. Lohnt sich ein Beitritt nur wegen eines akuten Problems, fragen Sie vorher nach, ob der Verein oder die Gewerkschaft bei Fällen hilft, die schon vor dem Beitritt begonnen haben – das regelt jede Organisation selbst.

Telefonische Rechtsberatung im Arbeitsrecht

Im Arbeitsrecht ist die Gewerkschaft der wichtigste Weg. Sie berät Mitglieder bei Abmahnung, Kündigung, Lohn oder Eingruppierung und vertritt sie oft auch vor dem Arbeitsgericht. Ein Beispiel ist die GEW-Rechtsberatung für Beschäftigte im Bildungsbereich, deren Landesverband NRW werktags eine telefonische Beratung anbietet.

Im Saarland berät die Arbeitskammer ihre Mitglieder telefonisch, online und persönlich – Mitglied sind dort automatisch alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. In Bremen gibt es die öffentliche Rechtsberatung der Arbeitnehmerkammer für 10 Euro, allerdings keine rein telefonische Beratung. Die Rechtsantragstelle am Arbeitsgericht nimmt Klagen kostenlos auf, berät aber nicht.

Achten Sie auf die Frist: Eine Kündigungsschutzklage muss innerhalb von drei Wochen nach Zugang der Kündigung beim Arbeitsgericht eingehen (§ 4 KSchG). Mehr Anlaufstellen finden Sie auf der Seite Arbeitsrecht.

Telefonische Rechtsberatung im Familienrecht

Bei Trennung, Unterhalt oder Umgang berät das Jugendamt kostenlos, insbesondere Alleinerziehende zu Unterhalt und Sorgerecht (§ 18 SGB VIII). Viele Jugendämter vereinbaren den ersten Kontakt telefonisch. Eine anwaltliche Beratung zu Scheidung oder Vermögen ersetzt das nicht; dafür kommt bei geringem Einkommen Beratungshilfe infrage. Mehr dazu auf der Seite Familienrecht.

Bei häuslicher Gewalt ist das bundesweite Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ unter 116 016 rund um die Uhr kostenlos und anonym erreichbar. Es berät und vermittelt an Stellen vor Ort, ist aber keine Rechtsberatung im engeren Sinn.

Mit Beratungsschein telefonisch zum Anwalt

Wer wenig Einkommen und Vermögen hat, kann beim Amtsgericht einen Beratungshilfeschein beantragen. Damit berät Sie eine Anwältin oder ein Anwalt Ihrer Wahl, Sie zahlen höchstens 15 Euro Eigenanteil. Die Beratung muss nicht in der Kanzlei stattfinden: Übernimmt eine Kanzlei Beratungshilfe und berät sie telefonisch oder per Video, können Sie den Schein auch dort einsetzen. Fragen Sie vor dem Termin nach, ob die Kanzlei Beratungshilfe annimmt.

Den Antrag können Sie vorher stellen oder nachträglich innerhalb von vier Wochen nach Beginn der Beratung (§ 6 Abs. 2 BerHG). Wer berechtigt ist und welche Unterlagen Sie brauchen, erklärt die Seite Der Beratungshilfeschein.

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Hamburg, Bremen und München: was am Telefon geht

Hamburg: Statt Beratungshilfe gibt es die Öffentliche Rechtsauskunft (ÖRA). Sie berät Menschen mit geringem Einkommen für höchstens 15 Euro, bei sehr niedrigem Einkommen für 5 Euro – allerdings nur mit Termin, den Sie telefonisch vereinbaren. Eine reine Telefonberatung ist das nicht. Details auf der Seite Hamburg.

Bremen: Die öffentliche Rechtsberatung der Arbeitnehmerkammer kostet 10 Euro. Rein telefonisch berät sie nicht.

München: Hier läuft der Weg wie im übrigen Bayern über die Beratungshilfe beim Amtsgericht. Für die Stadt München gelten bei der Prüfung des Einkommens etwas höhere Freibeträge als im übrigen Land. Mehr auf der Seite Bayern.

Anwalts-Hotlines und 0900-Nummern: was sie kosten

Telefonische Anwaltsberatung gegen Gebühr ist erlaubt. Für Verbraucher gilt ohne Vereinbarung dieselbe Obergrenze wie in der Kanzlei: höchstens 190 Euro für das erste Beratungsgespräch (§ 34 RVG). Viele Hotlines rechnen über 0900-Nummern ab. Dafür sind höchstens 3 Euro pro Minute oder 30 Euro pro Verbindung zulässig; teurer darf es nur nach vorheriger Legitimation werden (§ 112 TKG).

Beispiel: Ein Gespräch über 20 Minuten zu 2,50 Euro pro Minute kostet 50 Euro. Bereiten Sie sich deshalb vor: Fragen notieren, Unterlagen bereitlegen, Fristen und Daten heraussuchen.

Eine kostenlose Erstberatung durch eine Kanzlei ist zulässig, einen Anspruch darauf gibt es aber nicht. Fragen Sie zu Beginn des Gesprächs ausdrücklich, ob und was es kostet. Mehr zu Gebühren auf der Seite Rechtsberatungskosten.

Kostenlose Hilfetelefone in Notlagen

  • Opfer von Straftaten: Das Opfer-Telefon des WEISSER RING ist unter 116 006 kostenlos und anonym erreichbar. Der Verein kann auch eine anwaltliche Erstberatung vermitteln.
  • Gewalt gegen Frauen: Hilfetelefon 116 016, rund um die Uhr, kostenlos und anonym.

Diese Stellen ersetzen keine Anwältin, helfen aber, die nächsten Schritte zu ordnen und die richtige Stelle zu finden.

So holen Sie das Beste aus einem Beratungsanruf

  1. Kurz zusammenfassen: Was ist passiert, wann, wer ist beteiligt? Drei bis fünf Sätze reichen.
  2. Fristen nennen: Datum von Kündigung, Bescheid oder Mahnung zuerst sagen – Fristen gehen vor.
  3. Unterlagen bereithalten: Vertrag, Schreiben, Bescheid, Mitglieds- oder Versicherungsnummer.
  4. Konkret fragen: „Muss ich bis Freitag widersprechen?“ bringt mehr als „Was soll ich tun?“.
  5. Mitschreiben: Name der beratenden Person, Datum und die wichtigsten Hinweise notieren.

Einen Überblick über alle Anlaufstellen, auch für persönliche Beratung, finden Sie unter Wo finde ich eine kostenlose Rechtsberatung?

Häufige Fragen

Gibt es eine kostenlose Rechtsberatung am Telefon für alle?

Nein. Kostenlose telefonische Beratung gibt es vor allem für Mitglieder von Gewerkschaften, Vereinen und Kammern oder für Versicherte. Wer wenig Geld hat, bekommt mit Beratungshilfe für höchstens 15 Euro eine Anwaltsberatung.

Bietet der ADAC kostenlose telefonische Rechtsberatung an?

Für Mitglieder ja, bei Fragen rund um Auto, Verkehr und Reise. Je nach Regionalclub beraten ADAC-Juristen am Telefon, oder Sie vereinbaren telefonisch ein kostenloses Gespräch mit einem ADAC-Vertragsanwalt.

Wie teuer ist eine telefonische Anwaltsberatung?

Ohne Vereinbarung höchstens 190 Euro für das erste Gespräch, wenn Sie Verbraucher sind. Bei 0900-Nummern höchstens 3 Euro pro Minute oder 30 Euro pro Anruf.

Kann ich einen Beratungshilfeschein für eine Telefonberatung nutzen?

Ja, wenn die Kanzlei Beratungshilfe übernimmt und telefonisch berät. Klären Sie das vor dem Gespräch.

Stand: Oktober 2026. Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.

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