Faktengeprüft mit QuellenStand: Oktober 2026Unabhängiger Ratgeber – keine Kanzlei

Kostenlose Rechtsberatung für Bürger

FaktengeprüftMit Gesetzesquellen

Kostenlose Rechtsberatung ist nicht nur etwas für Menschen mit sehr wenig Geld. Auch mit normalem Einkommen gibt es Wege zu einer kostenlosen oder günstigen Auskunft – je nachdem, worum es geht und wo Sie Mitglied sind. Hier finden Sie die Möglichkeiten im Überblick, mit ehrlichen Angaben dazu, was sie kosten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Beratungshilfe gibt es nur bei geringem Einkommen – dann kostet die Anwältin höchstens 15 € (§ 1 BerHG). Wer Grundsicherungsgeld (früher Bürgergeld) bezieht, erfüllt die Voraussetzungen in aller Regel.
  • Für alle: Behörden müssen im Verfahren beraten und Auskunft geben (§ 25 VwVfG, § 14 SGB I) – kostenlos, aber nicht als Ihr Interessenvertreter.
  • Mitgliedschaften: Mietervereine, Gewerkschaften und Sozialverbände beraten ihre Mitglieder ohne zusätzliche Kosten (§ 7 RDG); es fällt ein Beitrag an.
  • Verbraucherzentralen beraten zu Verbraucherfragen, meist gegen ein kleines Entgelt.
  • Anwälte dürfen eine kostenlose Erstberatung anbieten; ohne Vereinbarung kostet eine Erstberatung für Verbraucher höchstens 190 € (§ 34 RVG).
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Wer darf überhaupt rechtlich beraten?

Nicht nur Anwältinnen und Anwälte. Das Rechtsdienstleistungsgesetz (RDG) erlaubt rechtliche Beratung in einem konkreten Fall auch

  • unentgeltlich durch Volljuristen oder unter deren Anleitung, etwa in studentischen Law Clinics (§ 6 RDG),
  • durch Vereine und Verbände für ihre Mitglieder, etwa Mietervereine oder Gewerkschaften (§ 7 RDG),
  • durch Verbraucherzentralen, Wohlfahrtsverbände, anerkannte Schuldnerberatungsstellen und Behörden im Rahmen ihrer Aufgaben (§ 8 RDG).

Allgemeine Informationen ohne Prüfung Ihres Einzelfalls – wie auf dieser Seite – sind dagegen keine Rechtsberatung (§ 2 Abs. 1 RDG).

Möglichkeiten im Überblick

AnlaufstelleAngaben
Amtsgericht (Beratungshilfe)Für wen: Menschen mit geringem Einkommen
Kosten: höchstens 15 € Eigenanteil
Öffentliche Rechtsberatung Hamburg / Bremen / BerlinFür wen: Einwohner mit geringem Einkommen
Kosten: Hamburg 5–15 €, Bremen 10 €, Berlin unentgeltlich
Behörde (Sozialamt, Jobcenter, Ausländerbehörde …)Für wen: alle Beteiligten eines Verfahrens
Kosten: kostenlos; Auskunft zum Verfahren
VerbraucherzentraleFür wen: Verbraucher
Kosten: je Bundesland; z. B. NRW: Erstgespräch kostenlos, Rechtsberatung 20 €
Mieterverein, Gewerkschaft, SozialverbandFür wen: Mitglieder
Kosten: Mitgliedsbeitrag
Law Clinic an HochschulenFür wen: je nach Clinic, oft Studierende oder Menschen mit geringem Einkommen
Kosten: kostenlos, meist nur kleine Streitwerte
Anwalt mit kostenloser ErstberatungFür wen: alle
Kosten: nur die Ersteinschätzung kostenlos

Beratung durch die Behörde

Wenn Sie einen Antrag stellen – etwa auf Wohngeld, Hilfe zur Pflege oder einen Aufenthaltstitel –, soll die Behörde Sie auf offensichtlich versehentlich fehlende oder fehlerhafte Angaben hinweisen und informiert Sie, soweit erforderlich, über Ihre Rechte im Verfahren (§ 25 VwVfG). Im Sozialrecht haben Sie sogar einen Anspruch auf Beratung über Ihre Rechte und Pflichten (§ 14 SGB I). Das ist kostenlos. Wenn Sie aber gegen einen Bescheid vorgehen wollen, brauchen Sie eine unabhängige Beratung.

Verbraucherzentralen

Die Verbraucherzentralen beraten zu Verträgen, Kündigungen, Online-Einkäufen, Energie oder Versicherungen. Die Preise legt jede Verbraucherzentrale selbst fest. In NRW ist zum Beispiel das Erstgespräch kostenlos, eine Rechtsberatung kostet 20 €, eine Vertretung 50 €, die Schuldner- und Insolvenzberatung ist kostenlos (Preise der Verbraucherzentrale NRW).

Mieterverein, Gewerkschaft, Sozialverband

Wer Mitglied ist, wird im jeweiligen Bereich ohne zusätzliche Kosten beraten und oft auch vertreten. Viele Vereine und Gewerkschaften helfen allerdings erst nach einer Mindestmitgliedschaft oder nicht bei Streitigkeiten, die schon vor dem Eintritt begonnen haben. Fragen Sie vor dem Beitritt nach. Mehr unter Mietrecht, Arbeitsrecht und Sozialrecht.

Kostenlose Erstberatung beim Anwalt

Manche Kanzleien bieten eine kostenlose Ersteinschätzung an, um ein Mandat zu gewinnen. Das ist zulässig. Klären Sie vorher, was genau kostenlos ist und ab wann Gebühren anfallen. Ohne Vereinbarung darf ein erstes Beratungsgespräch für Verbraucher höchstens 190 € kosten, eine weitere Beratung oder ein Gutachten höchstens 250 € (§ 34 RVG). Mehr unter Was kostet eine Rechtsberatung?

Schlichtung statt Klage

Bei Streit mit einem Unternehmen können Verbraucher eine Schlichtungsstelle anrufen. Für Branchen ohne eigene Schlichtungsstelle gibt es die Universalschlichtungsstelle des Bundes. Viele Branchen wie Banken, Versicherungen, Energie oder Verkehr haben eigene Schlichtungsstellen. Eine Schlichtung ersetzt keine Rechtsberatung, kann aber einen Prozess vermeiden.

Kostenlose Rechtsberatung bei geringem Einkommen

Haben Sie wenig Geld, können Sie beim Amtsgericht Beratungshilfe beantragen. Sie suchen sich dann eine Anwältin oder einen Anwalt selbst aus und zahlen höchstens 15 € (BerHG). Entscheidend ist das Einkommen nach Abzug von Wohnkosten und Freibeträgen, nicht ein bestimmter Leistungsbezug. Wer Grundsicherungsgeld bezieht – so heißt das Bürgergeld seit dem 1. Juli 2026 –, erfüllt die Einkommensvoraussetzung in aller Regel. Einzelheiten: Der Beratungshilfeschein und Kostenlose Rechtsberatung für Bedürftige.

Online und am Telefon: worauf achten?

  • Allgemeine Rechtsinformationen im Internet sind kostenlos, ersetzen aber keine Prüfung Ihres Falls.
  • Eine echte Einzelfallberatung online oder am Telefon darf nur geben, wer dazu befugt ist – etwa eine Anwältin oder eine Verbraucherzentrale.
  • Bei 0900-Nummern darf ein Anruf höchstens 3 € pro Minute oder 30 € pro Verbindung kosten, wenn Sie sich nicht vorher ausdrücklich auf einen höheren Preis eingelassen haben (§ 112 TKG).

Kostenlose Rechtsberatung in Ihrer Nähe

Amtsgerichte und Beratungsstellen nach Bundesland: Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen.

Häufige Fragen

Wo bekomme ich eine kostenlose Rechtsberatung in der Nähe?

Bei geringem Einkommen beim Amtsgericht an Ihrem Wohnsitz (Beratungshilfe), in Hamburg und Bremen bei der öffentlichen Rechtsberatung. Mit normalem Einkommen helfen je nach Thema Verbraucherzentrale, Mieterverein, Gewerkschaft oder Sozialverband. Die Stellen in Ihrem Bundesland finden Sie über die Links oben.

Ist eine Erstberatung beim Anwalt kostenlos?

Nur, wenn die Kanzlei das ausdrücklich anbietet. Sonst kostet ein erstes Beratungsgespräch für Verbraucher höchstens 190 € (§ 34 RVG), mit Beratungshilfe höchstens 15 €.

Gibt es kostenlose Rechtsberatung online?

Allgemeine Informationen ja. Eine Beratung zu Ihrem konkreten Fall ist online meist kostenpflichtig, außer bei Angeboten von Verbraucherzentralen, Vereinen für ihre Mitglieder oder mit Beratungshilfe.

Bekommen Bürgergeld-Empfänger eine kostenlose Rechtsberatung?

Das Bürgergeld heißt seit dem 1. Juli 2026 Grundsicherungsgeld. Wer es bezieht, bekommt in aller Regel Beratungshilfe und zahlt höchstens 15 €. Vor dem Sozialgericht fallen für Leistungsbezieher keine Gerichtskosten an (§ 183 SGG).

Stand: Oktober 2026. Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.

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