Faktengeprüft mit QuellenStand: Oktober 2026Unabhängiger Ratgeber – keine Kanzlei

Kostenlose Rechtsberatung Gesellschaftsrecht

FaktengeprüftMit Gesetzesquellen

Besprechung in einem kleinen Büro

Welche Rechtsform passt, wer haftet, was muss ins Impressum, und was tun bei einer Abmahnung? Gründer, Selbstständige und kleine Unternehmen brauchen früh rechtlichen Rat. Kostenlose Rechtsberatung im eigentlichen Sinn gibt es für Unternehmen kaum. Es gibt aber kostenlose Orientierung bei den Kammern, Zuschüsse für Unternehmensberatung und bei geringem Einkommen auch Beratungshilfe.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kammern: IHK und Handwerkskammer beraten Gründer zu Rechtsform, Anmeldung und Förderung, oft kostenlos. Eine Prüfung Ihres Einzelfalls durch einen Anwalt ersetzt das nicht.
  • Notar: Wer eine GmbH oder UG gründet, braucht ohnehin einen Notar; er belehrt über die rechtlichen Folgen.
  • Beratungsförderung: Das BAFA bezuschusst Unternehmensberatung für kleine Unternehmen. Rechts- und Steuerberatung ist davon ausgenommen.
  • Beratungshilfe: Auch Selbstständige können einen Beratungsschein bekommen, wenn ihr Einkommen gering ist.
  • Abmahnung: Nicht ungeprüft unterschreiben. Für manche Abmahnungen müssen kleine Unternehmen keine Kosten erstatten (§ 13 UWG).
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Kostenlose Orientierung für Gründer

  • Industrie- und Handelskammer: Die IHKs bieten Gründern Erst- und Orientierungsberatungen an, etwa zu Geschäftsplan, Gründungsformalitäten, Wahl der Rechtsform und Steuern. Die IHK München nennt diese Themen zum Beispiel für ihre telefonische und Online-Erstberatung (ihk-muenchen.de, Stand 10/2026). Ob und in welchem Umfang die Beratung kostenlos ist, regelt jede IHK selbst.
  • Handwerkskammer: Für Handwerksbetriebe ist die Handwerkskammer die erste Anlaufstelle, unter anderem zur Eintragung in die Handwerksrolle.
  • Notar: Der Gesellschaftsvertrag einer GmbH muss notariell beurkundet werden. Für bis zu drei Gesellschafter und einen Geschäftsführer gibt es ein vereinfachtes Musterprotokoll (§ 2 GmbHG). Der Notar muss die Beteiligten über die rechtliche Tragweite belehren; die Beratung ist in seinen Gebühren enthalten.
  • Gesellschaft bürgerlichen Rechts: Eine GbR können Sie ohne Notar gründen. Sie kann sich ins Gesellschaftsregister eintragen lassen; Pflicht ist das zunächst nicht, Änderungen müssen danach aber gemeldet werden (§ 707 BGB). Ein schriftlicher Gesellschaftsvertrag ist trotzdem dringend zu empfehlen.

Zuschuss zur Unternehmensberatung

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) fördert Beratungen für kleine und mittlere Unternehmen. Die Richtlinie gilt vom 1. Januar 2023 bis 31. Dezember 2026. Die Bemessungsgrundlage beträgt 3.500 Euro; der Zuschuss liegt zum Beispiel in Bayern bei 50 Prozent, also höchstens 1.750 Euro. Unternehmen im ersten Jahr nach der Gründung müssen vor dem Antrag ein kostenloses Informationsgespräch bei einem regionalen Ansprechpartner wie der IHK führen. Rechts- und Steuerberatung, etwa das Ausarbeiten von Verträgen, wird nicht gefördert, wenn sie den Schwerpunkt der Beratung bildet (IHK Nürnberg, Stand 10/2026). Ob es eine Anschlussregelung ab 2027 gibt, war im Oktober 2026 noch nicht bekannt.

Beratungshilfe für Selbstständige

Beratungshilfe hängt nicht davon ab, ob Sie angestellt oder selbstständig sind, sondern von Ihrem Einkommen und Vermögen (§ 1 Beratungshilfegesetz). Wer etwa aus der Arbeitslosigkeit gründet oder als Solo-Selbstständiger wenig verdient, kann beim Amtsgericht einen Beratungsschein beantragen und zahlt dann höchstens 15 Euro. Betriebsvermögen und laufende Einnahmen werden dabei geprüft. Mehr: Der Beratungshilfeschein.

Abmahnung erhalten: was kleine Unternehmen wissen müssen

Online-Händler und Selbstständige mit eigener Website bekommen häufig Abmahnungen von Mitbewerbern, etwa wegen fehlerhafter Angaben im Impressum, in der Widerrufsbelehrung oder im Datenschutz. Das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb schützt hier inzwischen besser:

  • Mitbewerber können keine Erstattung ihrer Abmahnkosten verlangen, wenn es um Verstöße gegen gesetzliche Informations- und Kennzeichnungspflichten im Online-Handel geht, und auch nicht bei Datenschutzverstößen von Unternehmen mit in der Regel weniger als 250 Beschäftigten (§ 13 Abs. 4 UWG).
  • Ist eine Abmahnung unberechtigt oder formal fehlerhaft, können Sie Ihre Kosten für die Abwehr vom Abmahnenden zurückverlangen (§ 13 Abs. 5 UWG).
  • Unterschreiben Sie keine vorformulierte Unterlassungserklärung ungeprüft. Sie bindet meist dauerhaft und ist mit einer Vertragsstrafe verbunden. Beachten Sie aber die gesetzte Frist.

Werden Sie selbst durch unlautere Werbung eines Konkurrenten benachteiligt, können Sie ihn abmahnen lassen. Als Verbraucher haben Sie bei irreführender Werbung keinen eigenen Anspruch nach dem UWG; melden Sie sie der Verbraucherzentrale, die dagegen vorgehen darf (§ 8 Abs. 3 UWG).

Fragen zu Marken, Patenten und Urheberrecht finden Sie auf den Seiten Markenrecht und Patentrecht und Urheberrecht. Steuerfragen: Steuerberatung.

Was kostet ein Anwalt für Unternehmen?

Die Höchstgrenzen für eine Erstberatung von 190 Euro gelten nur für Verbraucher (§ 34 RVG). Unternehmen sollten das Honorar vorher vereinbaren. Viele Kanzleien bieten Gründungspakete oder Festpreise an; vergleichen Sie Angebote. Spezialisiert sind Fachanwälte für Handels- und Gesellschaftsrecht bzw. für gewerblichen Rechtsschutz.

Häufige Fragen

Gibt es eine kostenlose Rechtsberatung für Unternehmen?

Eine Einzelfallberatung durch einen Anwalt fast nie. Kostenlos sind oft die Erstgespräche bei IHK und Handwerkskammer und die Belehrung durch den Notar bei der Gründung. Bei geringem Einkommen gibt es Beratungshilfe.

Bekommen Selbstständige einen Beratungsschein?

Ja, wenn Einkommen und Vermögen gering sind. Die Art der Tätigkeit spielt keine Rolle.

Welche Rechtsform ist für Gründer günstig?

Einzelunternehmen und GbR lassen sich ohne Notar gründen, dafür haften Sie mit Ihrem Privatvermögen. GmbH und UG beschränken die Haftung, brauchen aber einen Notar und Stammkapital. Eine erste Orientierung gibt die IHK.

Ich habe eine Abmahnung bekommen. Muss ich zahlen?

Nicht in jedem Fall. Bei Verstößen gegen Informationspflichten im Online-Handel kann ein Mitbewerber keine Kosten verlangen. Lassen Sie die Abmahnung prüfen, bevor Sie unterschreiben oder zahlen, und halten Sie die Frist im Blick.

Stand: Oktober 2026. Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.

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