Niedersachsen hat keine eigene öffentliche Rechtsauskunft. Wer sich keinen Anwalt leisten kann, holt sich beim Amtsgericht seines Wohnorts einen Beratungshilfeschein und lässt sich damit in einer Kanzlei beraten – für höchstens 15 €. In Hannover nimmt das Gericht mündliche Anträge nur mit Termin auf, Delmenhorst bittet vorab um einen Termin, und in Göttingen geht der Antrag derzeit nur schriftlich.
Das Wichtigste in Kürze
- Weg: Antrag beim Amtsgericht am Wohnsitz (§ 4 BerHG), dann mit dem Schein zu einer Anwältin oder einem Anwalt Ihrer Wahl.
- Kein Leistungsbezug nötig: Es zählt, was von Einkommen und Vermögen nach Freibeträgen und Wohnkosten übrig bleibt (§ 1 BerHG).
- Hannover: Rechtsantragstelle II nur mit Termin – Terminvergabe 0511 347-3193 oder per E-Mail.
- Auch Sozialrecht: Widerspruch gegen Jobcenter, Rentenversicherung oder Pflegekasse – Beratungshilfe deckt das ab.
- Online vorbereiten: Vorab-Check und Formular unter service.justiz.de/beratungshilfe; darauf verweisen alle geprüften Gerichte.
Beratungshilfe statt öffentlicher Rechtsauskunft
Eine öffentliche Rechtsauskunft wie die ÖRA gibt es nur in den Stadtstaaten: In Hamburg und Bremen ersetzt sie die Beratungshilfe, in Berlin besteht ein Wahlrecht (§ 12 BerHG). In Niedersachsen führt der Weg immer über das Amtsgericht. Manchmal ist umgangssprachlich auch von „Beratungskostenhilfe“ die Rede – gemeint ist dasselbe.
Voraussetzungen nach § 1 BerHG: Sie können die Kosten nach Ihren wirtschaftlichen Verhältnissen nicht tragen (Maßstab: Prozesskostenhilfe ohne Raten), es gibt keine andere zumutbare Hilfe – etwa Rechtsschutzversicherung, Gewerkschaft oder Mieterverein – und die Beratung ist nicht mutwillig. Für dieselbe Angelegenheit gibt es nur einen Schein, und nicht, wenn darüber schon ein Gericht verhandelt (§ 4 BerHG).
Was der Schein abdeckt und was er kostet
Die Anwältin oder der Anwalt berät Sie und vertritt Sie, wenn nötig, auch außergerichtlich, zum Beispiel mit einem Widerspruch oder einem Schreiben an den Vermieter. Bei Strafsachen und Bußgeldern gibt es nur Beratung (§ 2 BerHG). Sie zahlen in der Kanzlei höchstens 15 €, die Ihnen erlassen werden können (Nr. 2500 VV RVG); beim Gericht fallen keine Kosten an. Haben Sie schon einen Anwalt aufgesucht, kann der Antrag binnen vier Wochen nachgereicht werden (§ 6 Abs. 2 BerHG). Ausführlich: Der Beratungshilfeschein.
Unterlagen
- Personalausweis
- Einkommensnachweise (Lohnabrechnung, Rentenbescheid, Bescheid über Grundsicherungsgeld oder Wohngeld)
- Mietvertrag und letzte Nebenkostenabrechnung
- Belege über besondere Belastungen, z. B. Unterhalt oder Kredite
- alle Schreiben zu Ihrem Problem
Amtsgerichte in Niedersachsen
Niedersachsen hat sehr viele kleine Amtsgerichte. Hier stehen die großen Städte; welches Gericht für Ihren Ort zuständig ist, finden Sie im bundesweiten Gerichtsverzeichnis oder über das Justizportal Niedersachsen. In vielen Gerichten heißt die Anlaufstelle für Anträge „Justizservice“.
Amtsgericht Hannover
| Beschreibung | Rechtsantragstelle II nimmt mündliche Anträge auf Beratungshilfe auf. Zuständig für Stadt Hannover, Langenhagen, Laatzen, Seelze und Hemmingen. |
| Adresse | Volgersweg 1 30175 Hannover |
| Kontakt | Zentrale: 0511 347-0 Termine Beratungshilfe: 0511 347-3193 (9.00–14.30 Uhr) E-Mail (nur Terminvergabe): AGH-Beratungshilfe-Termine@justiz.niedersachsen.de Web: Rechtsantragstelle AG Hannover |
| Öffnungszeiten | Mo–Fr 9.00–12.00 Uhr, nur nach Terminvereinbarung Mo–Do 13.30–14.30 Uhr Eildienst für dringende Fälle (laut Website, Stand 10/2026) |
| Info/Tipp | Mit Wartezeit auf den Termin rechnen. Schneller kann ein schriftlicher Antrag mit dem amtlichen Formular sein. |
Amtsgericht Braunschweig
| Beschreibung | Hier stellen Sie den Antrag auf Beratungshilfe, wenn Sie im Bezirk dieses Gerichts wohnen; der Berechtigungsschein selbst kostet nichts. Persönliche Anliegen laufen über den Zentralen Justizservice. |
| Adresse | An der Martinikirche 8 38100 Braunschweig |
| Kontakt | Zentrale: 0531 488-0 Zentraler Justizservice: 0531 488-2610 Web: Amtsgericht Braunschweig |
| Öffnungszeiten | Persönliche Anliegen Mo–Fr 9.00–12.00 Uhr und nach Vereinbarung Telefon Mo–Do 9.00–15.30, Fr 9.00–12.00 Uhr (laut Website, Stand 10/2026) |
| Info/Tipp | Vorher beim Justizservice anrufen, dann sparen Sie Wartezeit. |
Amtsgericht Osnabrück
| Beschreibung | Hier stellen Sie den Antrag auf Beratungshilfe, wenn Sie im Bezirk dieses Gerichts wohnen; der Berechtigungsschein selbst kostet nichts. Anträge und Erklärungen nimmt der Justizservice auf. |
| Adresse | Kollegienwall 29/31 49074 Osnabrück |
| Kontakt | Zentrale: 0541 315-0 Justizservice: 0541 315-2222 Web: Amtsgericht Osnabrück |
| Öffnungszeiten | Mo–Mi und Fr 8.30–12.30 Uhr Do 12.00–16.00 Uhr (vormittags keine Sprechzeit) (laut Website, Stand 10/2026) |
| Info/Tipp | Aufrufnummern gibt es am Automaten in der Vorhalle ab 8 Uhr (nachmittags ab 12 Uhr). Wegen Einlasskontrollen etwas Zeit einplanen. |
Amtsgericht Oldenburg
| Beschreibung | Hier stellen Sie den Antrag auf Beratungshilfe, wenn Sie im Bezirk dieses Gerichts wohnen; der Berechtigungsschein selbst kostet nichts. Zentrale Anlaufstelle ist der Justizservice. |
| Adresse | Elisabethstraße 8 26135 Oldenburg (Nebenstelle: Bahnhofstraße 13, 26122 Oldenburg) |
| Kontakt | Tel.: 0441 220-0 Web: Amtsgericht Oldenburg |
| Öffnungszeiten | Justizservice: Mo, Di, Mi, Fr 8.30–12.00 Uhr, Do 12.30–15.30 Uhr (laut Website, Stand 10/2026) |
| Info/Tipp | Termine beim Justizservice vereinbaren Sie vorab online auf der Website des Gerichts. |
Amtsgericht Delmenhorst
| Beschreibung | Hier stellen Sie den Antrag auf Beratungshilfe, wenn Sie im Bezirk dieses Gerichts wohnen; der Berechtigungsschein selbst kostet nichts. Anträge nimmt nur die Rechtsantragstelle in der Nebenstelle auf. |
| Adresse | Rechtsantragstelle: Cramerstraße 183 27749 Delmenhorst |
| Kontakt | Tel.: 04221 1262-0 Web: Amtsgericht Delmenhorst |
| Öffnungszeiten | Mo–Fr 9.00–12.00 Uhr oder nach Vereinbarung (laut Website, Stand 10/2026) |
| Info/Tipp | Vor dem Besuch telefonisch anmelden. Nicht ins Hauptgebäude gehen – die Rechtsantragstelle sitzt in der Cramerstraße. |
Amtsgericht Göttingen
| Beschreibung | Hier stellen Sie den Antrag auf Beratungshilfe, wenn Sie im Bezirk dieses Gerichts wohnen; der Berechtigungsschein selbst kostet nichts. Derzeit nur schriftlich: Mündliche Anträge auf Beratungshilfe nimmt der Justizservice laut Gericht momentan nicht entgegen. |
| Adresse | Maschmühlenweg 11 37073 Göttingen |
| Kontakt | Zentrale: 0551 403-0 Web: Justizservice AG Göttingen |
| Öffnungszeiten | Justizservice Mo, Di, Do, Fr 9.00–12.00 Uhr, mittwochs geschlossen (laut Website, Stand 10/2026) |
| Info/Tipp | Antrag mit dem Formular (z. B. über service.justiz.de) ausfüllen und mit Belegen per Post schicken oder abgeben; vorher auf der Website nach dem aktuellen Stand sehen. |
Amtsgericht Hildesheim
| Beschreibung | Hier stellen Sie den Antrag auf Beratungshilfe, wenn Sie im Bezirk dieses Gerichts wohnen; der Berechtigungsschein selbst kostet nichts. |
| Adresse | Kaiserstraße 60 31134 Hildesheim |
| Kontakt | Zentrale: 05121 968-0 Web: Amtsgericht Hildesheim |
| Öffnungszeiten | Mo–Fr 9.00–12.00 Uhr, Do zusätzlich 13.00–15.00 Uhr (nicht vor Feiertagen) (laut Website, Stand 10/2026) |
| Info/Tipp | Das Gericht bittet, möglichst vorher einen Termin zu vereinbaren. |
Weitere Anlaufstellen
- Sozialverbände (SoVD, VdK), Gewerkschaften, Mietervereine: beraten Mitglieder und vertreten sie oft auch vor Gericht (§ 7 RDG). Wer Mitglied ist, muss diese Hilfe zuerst nutzen. Mehr: Sozialrecht, Arbeitsrecht, Mietrecht.
- Verbraucherzentrale Niedersachsen: berät nach § 8 RDG zu Verträgen, Inkasso, Energie und Versicherungen, in der Regel gegen Entgelt. Prozesskostenhilfe vergibt sie nicht – die bewilligt nur ein Gericht. Beratungsstellen: verbraucherzentrale-niedersachsen.de.
- Schuldnerberatung: anerkannte Stellen der Kommunen und Wohlfahrtsverbände (§ 8 RDG); für Menschen mit Grundsicherungsgeld oft kostenlos.
- Gerichtsverfahren: Dafür gibt es Prozesskostenhilfe beim Gericht des Verfahrens. Das Gericht prüft auch die Erfolgsaussichten (§ 114 ZPO); verlieren Sie, tragen Sie die Anwaltskosten der Gegenseite trotzdem (§ 123 ZPO).
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Häufige Fragen
Gibt es eine öffentliche Rechtsauskunft in Niedersachsen?
Nein. Öffentliche Rechtsauskunftsstellen gibt es nach § 12 BerHG nur in Hamburg und Bremen (dort statt Beratungshilfe) sowie in Berlin (wahlweise). In Niedersachsen beantragen Sie Beratungshilfe beim Amtsgericht und gehen damit zu einer Kanzlei.
Was ist soziale Rechtshilfe in Niedersachsen?
Ein eigenes Landesprogramm unter diesem Namen haben wir nicht gefunden. Für Streit mit Jobcenter, Sozialamt, Renten- oder Krankenkasse gibt es Beratungshilfe wie in jedem anderen Rechtsgebiet; zusätzlich beraten Sozialverbände wie SoVD und VdK ihre Mitglieder.
Gibt es beim Amtsgericht eine kostenlose Rechtsberatung?
Das Gericht selbst berät nicht. Es nimmt Ihren Antrag auf, prüft ihn und stellt den Berechtigungsschein aus; eine kurze Auskunft oder einen Hinweis auf andere Stellen darf es geben (§ 3 Abs. 2 BerHG). Die eigentliche Beratung übernimmt die Anwältin oder der Anwalt.
Wie bekomme ich Beratungshilfe beim Amtsgericht Hannover?
Vereinbaren Sie einen Termin bei der Rechtsantragstelle II unter 0511 347-3193 oder per E-Mail; ohne Termin werden mündliche Anträge derzeit nicht aufgenommen. Alternativ schicken Sie den ausgefüllten Antrag mit Belegen per Post an den Volgersweg 1.
Wie beantrage ich einen kostenlosen Rechtsbeistand?
Außerhalb eines Prozesses über die Beratungshilfe beim Amtsgericht. Geht es um ein Gerichtsverfahren, beantragen Sie Prozess- oder Verfahrenskostenhilfe beim zuständigen Gericht, im Strafverfahren kommt unter Umständen eine Pflichtverteidigung in Betracht (§ 140 StPO).
Kann ich Beratungshilfe online beantragen?
Sie können den Antrag auf service.justiz.de Schritt für Schritt ausfüllen und vorher prüfen, ob Sie berechtigt sind. Das Ergebnis drucken Sie aus und reichen es mit den Belegen beim Amtsgericht ein.
Stand: Oktober 2026. Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.