Faktengeprüft mit QuellenStand: Oktober 2026Unabhängiger Ratgeber – keine Kanzlei

Kostenlose Rechtsberatung für Bedürftige

FaktengeprüftMit Gesetzesquellen

„Ich brauche einen Anwalt, habe aber kein Geld“ – in dieser Lage stehen Sie nicht allein da. Der Staat übernimmt für Menschen mit geringem Einkommen die Kosten für Beratung und Gerichtsverfahren ganz oder teilweise. Daneben gibt es Stellen, die ohne oder gegen einen kleinen Betrag beraten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Außergerichtlich: Beratungshilfe vom Amtsgericht – Sie zahlen höchstens 15 € an die Anwältin oder den Anwalt Ihrer Wahl (§§ 1, 6 BerHG, Nr. 2500 VV RVG).
  • Vor Gericht: Prozesskostenhilfe bzw. in Familiensachen Verfahrenskostenhilfe, wenn die Sache Aussicht auf Erfolg hat (§ 114 ZPO, § 76 FamFG).
  • Maßstab ist das Einkommen, nicht ein bestimmter Leistungsbezug. Ab 2026 gilt ein Grundfreibetrag von 619 € im Monat für Sie selbst (PKHB 2026).
  • Sozialrecht: Klagen vor dem Sozialgericht sind für Leistungsbezieher gerichtskostenfrei (§ 183 SGG).
  • Hamburg und Bremen: Statt Beratungshilfe gibt es dort die öffentliche Rechtsberatung, in Berlin haben Sie die Wahl (§ 12 BerHG).
Anzeige

Kein Geld für einen Anwalt – was tun? Schritt für Schritt

  1. Frist sichern: Prüfen Sie, ob in Ihrem Schreiben eine Frist steht (Widerspruch, Klage, Zahlung). Fristen laufen auch, während Sie Hilfe suchen.
  2. Beratungshilfe beantragen: beim Amtsgericht an Ihrem Wohnsitz, mündlich oder schriftlich, mit Nachweisen über Einkommen, Miete und Vermögen (§ 4 BerHG). Das Amtsgericht kann einfache Fragen auch selbst beantworten (§ 3 Abs. 2 BerHG).
  3. Oder direkt zum Anwalt: Sie können zuerst zur Anwältin gehen und den Antrag binnen vier Wochen nachholen (§ 6 Abs. 2 BerHG). Wird er abgelehnt, müssen Sie die Beratung allerdings selbst bezahlen.
  4. Kommt es zum Gericht: Prozesskostenhilfe beim zuständigen Gericht beantragen – am besten zusammen mit der Klage oder vorab.

Ausführlich zu Antrag, Formular und Unterlagen: Der Beratungshilfeschein.

Wer gilt als bedürftig?

Beratungshilfe bekommt, wer die Kosten nach seinen persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen nicht aufbringen kann, keine andere zumutbare Hilfe hat und die Beratung nicht mutwillig in Anspruch nimmt (§ 1 BerHG). Bedürftig in diesem Sinn ist, wer Prozesskostenhilfe ohne Ratenzahlung bekäme. Gerechnet wird mit dem Nettoeinkommen abzüglich Wohnkosten und Freibeträgen. Ab dem 1. Januar 2026 gelten bundesweit unter anderem diese Freibeträge (PKHB 2026):

Freibetragpro Monat
für Sie selbst619 €
Ehegatte oder Lebenspartner619 €
zusätzlich bei Erwerbstätigkeit282 €
unterhaltsberechtigter Erwachsener496 €
Jugendliche von 14 bis 17 Jahren518 €
Kinder von 6 bis 13 Jahren429 €
Kinder bis 5 Jahre393 €

In der Stadt München sowie den Landkreisen München und Fürstenfeldbruck gelten etwas höhere Werte. Eine andere zumutbare Hilfe ist zum Beispiel eine Rechtsschutzversicherung, die den Fall abdeckt, oder die Rechtsberatung einer Gewerkschaft oder eines Mietervereins, in dem Sie Mitglied sind.

Was die Beratungshilfe abdeckt – und was nicht

  • Gedeckt: Beratung und, soweit nötig, die außergerichtliche Vertretung, zum Beispiel ein Schreiben an den Vermieter oder ein Widerspruch gegen einen Bescheid – in allen Rechtsgebieten, auch im Erb-, Familien- oder Mietrecht (§ 2 BerHG).
  • Strafrecht und Ordnungswidrigkeiten: nur Beratung, keine Vertretung (§ 2 Abs. 2 BerHG). Ob Ihnen eine Pflichtverteidigung zusteht, regelt § 140 StPO; mehr unter Strafrecht.
  • Nicht gedeckt: das Gerichtsverfahren selbst – dafür gibt es Prozess- oder Verfahrenskostenhilfe.
  • Eigenanteil: 15 € an die Beratungsperson; sie kann darauf verzichten.

Ein Schein gilt für eine bestimmte Angelegenheit. Für ein neues Problem stellen Sie einen neuen Antrag.

Was, wenn ein Anwalt den Beratungsschein ablehnt?

Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte sind verpflichtet, Beratungshilfe zu übernehmen, und dürfen sie nur im Einzelfall aus wichtigem Grund ablehnen (§ 49a BRAO). Fragen Sie am besten schon bei der Terminvereinbarung, ob die Kanzlei Beratungshilfe-Mandate annimmt. Bei Problemen ist die Rechtsanwaltskammer Ihres Bezirks der richtige Ansprechpartner.

Anzeige

Prozess- und Verfahrenskostenhilfe vor Gericht

Prozesskostenhilfe übernimmt Gerichtskosten und die Kosten Ihres eigenen Anwalts, wenn Sie die Kosten nicht oder nur in Raten aufbringen können und die Klage hinreichende Aussicht auf Erfolg hat (§ 114 ZPO). In Familiensachen heißt sie Verfahrenskostenhilfe (§ 76 FamFG).

  • Raten: Liegt Ihr einzusetzendes Einkommen über den Freibeträgen, zahlen Sie Raten in Höhe der Hälfte davon, höchstens 48 Monatsraten (§ 115 ZPO).
  • Risiko: Verlieren Sie, müssen Sie die Anwaltskosten der Gegenseite trotzdem erstatten (§ 123 ZPO). Ausnahme: In der ersten Instanz vor dem Arbeitsgericht trägt jede Seite ihre Anwaltskosten selbst (§ 12a ArbGG).

Sozialrecht: Hilfe ohne Kosten

Gerade bei Bescheiden von Jobcenter, Sozialamt, Krankenkasse oder Rentenversicherung kommen Sie oft ohne Kosten zu Ihrem Recht:

  • Die Behörde muss Sie über Ihre Rechte und Pflichten beraten (§ 14 SGB I).
  • Der Widerspruch ist kostenlos; die Frist beträgt in der Regel einen Monat (§ 84 SGG). Für eine unabhängige Beratung zum Widerspruch gibt es Beratungshilfe.
  • Vor dem Sozialgericht zahlen Versicherte und Leistungsbezieher keine Gerichtskosten (§ 183 SGG).
  • Sozialverbände wie VdK und SoVD beraten und vertreten ihre Mitglieder im Sozialrecht.

Mehr dazu unter Sozialrecht und Kostenlose Rechtsberatung für Arbeitslose.

Hamburg, Bremen, Berlin: öffentliche Rechtsberatung

  • Hamburg: Die Öffentliche Rechtsauskunft- und Vergleichsstelle (ÖRA) berät Menschen mit geringem Einkommen für höchstens 15 €, bei sehr niedrigem Einkommen 5 € je Anliegen (mehr zu Hamburg).
  • Bremen: Die öffentliche Rechtsberatung der Arbeitnehmerkammer kostet derzeit 10 € (mehr zu Bremen).
  • Berlin: Sie können zwischen Beratungshilfe beim Amtsgericht und der öffentlichen Rechtsberatung wählen (mehr zu Berlin).

Weitere günstige Anlaufstellen

  • Schuldnerberatung: anerkannte Schuldnerberatungsstellen dürfen rechtlich beraten (§ 8 RDG); bei Verbraucherzentralen und Wohlfahrtsverbänden ist sie häufig kostenlos – fragen Sie vorab nach den Kosten.
  • Verbraucherzentralen: beraten zu Verträgen und Verbraucherrecht; die Preise unterscheiden sich je Bundesland, die Schuldnerberatung ist zum Beispiel in NRW kostenlos (Preise VZ NRW).
  • Mietervereine und Gewerkschaften: beraten ihre Mitglieder (§ 7 RDG); dafür fällt ein Mitgliedsbeitrag an.

Häufige Fragen

Ich brauche einen Anwalt, habe aber kein Geld – wer zahlt?

Für die Beratung und außergerichtliche Vertretung zahlt bei geringem Einkommen die Staatskasse über die Beratungshilfe; Sie tragen höchstens 15 €. Für ein Gerichtsverfahren gibt es Prozesskostenhilfe, wenn die Sache Aussicht auf Erfolg hat.

Gibt es einen kostenlosen Anwalt für Sozialrecht?

Mit Beratungshilfe kostet Sie die Anwältin höchstens 15 €. Mitglieder von VdK oder SoVD werden dort ohne weitere Kosten beraten und vertreten. Das Sozialgericht selbst erhebt von Leistungsbeziehern keine Gerichtskosten.

Gibt es beim Amtsgericht eine Rechtsberatungsstelle?

Das Amtsgericht nimmt den Antrag auf Beratungshilfe auf und kann einfache Fragen sofort beantworten oder auf andere Hilfen hinweisen (§ 3 Abs. 2 BerHG). Eine umfassende Beratung oder Vertretung leistet es nicht.

Darf ein Anwalt den Beratungshilfeschein ablehnen?

Nur aus wichtigem Grund im Einzelfall (§ 49a BRAO). Fragen Sie vorab nach und wenden Sie sich sonst an eine andere Kanzlei oder die Rechtsanwaltskammer.

Gilt die Beratungshilfe auch bei einer Erbschaft?

Ja, Beratungshilfe gibt es in allen Rechtsgebieten, also auch im Erbrecht – vorausgesetzt, Ihr Einkommen und Vermögen (einschließlich eines bereits zugeflossenen Erbes) liegen unter den Grenzen.

Stand: Oktober 2026. Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.

Click to rate this post!
[Total: 8 Average: 4.6]